Île de la possession

Kunstverein Nürtingen e.V. Einladung

 

 

28.09.2012 – 21.10.2012
Begrüßung: Michael Gompf 
Einführung: Harry Walter im Dialog mit Katharina Hohmann

Im Fokus der neuen Arbeiten für den Kunstverein Nürtigen nähert sich Katharina Hohmann dem Begriff von Besitz, von Eigentum, von Hab und Gut in diversen Zusammenhängen an. Die Dingwelt, die uns in ihrer alltäglichen Ordnung, bzw. Unordnung, Funktion und Bedeutung, ihrer Akkumulation umgibt, ist Konstituente für eine mehrschichtige künstlerische Auseinandersetzung. Sie beginnt im privaten Alltag und kulminiert in größeren sozialen wie politischen Ordnungen (und Krisen). Themen wie Lagern und Aufbewahren, wie Stapeln und Ordnen werden eine Rolle spielen, wie auch das Einbeziehen des konkreten Umfelds Nürtingen.

Ich denke an eine der um 1770 entdeckten Crozetinseln im Indischen Ozean, nahe Australien, die den Namen Île de la Possession trägt. Ursprünglich hieß sie sogar: Île de la Prise de Possession – Insel der Inbesitznahme. Ein Name, der Zeuge des Prinzips kolonialen Vorgehens an sich ist: Aneignung, Überführung von Raum (und Menschen) in andere Machtstrukturen. Die Bilder, die ich von dieser Insel finden konnte, habe ich mir oft angesehen; sehr große Möwen, Robben und Pinguin-heerscharen leben auf ihr; eine Forschungsstation mit fein strukturierten Metall-masten in Schnee und Nacht, kleine provisorische Behausungen, Laboratorien im Halbdunkel überflogen und kaum zu erkennen. Eine karge Naturwelt, ein paar Schiffe, die sich an die Küste drängen. Ein Mann öffnet die Arme: alles meins! Ein Grundprinzip von Appropriation, von Aneignung, ist das Aufstellen, das Hineinstellen von Zivilisationsobjekten in das, was man Natur nennt. Die Bildauswahl, die ich hier treffe bezieht sich auf diesen Akt des Inbesitznehmens – auch insofern als dies Fotografien ohne Autor sind, die ich im Internet gesucht und gefunden habe. Man kann sie ungefähr datieren.

Die Vorstellung von Insel im Sinne ihrer räumlichen Abgeschlossenheit und im Geiste von Übernahme, Inbesitznahme ist wandert im Geiste zu Ausstellungsräumen und -Situationen, die gleichermaßen in und aus der Welt sind. Die Gesetze die dort gelten, sind neu zu etablieren, doch spiegeln sie die Außenwelt in ihrer Vielfalt wieder. Auf diesen Inseln ist ideell alles möglich, oder scheint es zumindest zu sein. Eine größtmögliche Freiheit. Île de la Possession – die Insel des Besitzes, des Besitzens oder auch der Besessenheit, kann als assoziativer Bilderschatz in diesem Fall eine breite Gedankenspur um die Vorstellung der Appropriation, des Besitzdenkens, des Hab und Guts spinnen, offen genug um sich auch im Ozean drum herum zu verlieren. Es geht um das Anreichern von Materie, die sowohl mobil als auch fugitiv ist und fragil bleibt.

Kunstverein Nürtingen www.kunstverein-nuertingen.de

Katalog (PDF)

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