Internationale Lichttage Winterthur


Von Ort zu Ort
3. bis 25. November 2007

Sigrun Appelt, André Bless, Cabrita Reis, Gunda Förster, Sylvie Fleury, Tue Greenfort, Mark Handforth, Katharina Hohmann, Yoshiaki Kaihatsu, Zilla Leutenegger u.a.

Kuratiert von: Dr. Yvonne Ziegler

Zur Ausstellung erschien eine Publikation.
www.lichttage.ch

Lüster im Stadtgarten
Lüster im Stadtgarten

   
Lost Chandeliers

Die Villen der Jahrhundertwende ziehen sich heute noch bis weit ins Winterthurer Stadtzentrum hinein. In mittlerweile riesig erscheinenden, oft verwilderten Gärten erzählen sie von einer anderen Existenz und Lebensform. Da innerstädtischer Baugrund für Spekulanten erheblich an Wert gewonnen hat, scheint die Wohnform Villa überflüssig geworden zu sein. An dieselbe Stelle und ganz in unmittelbarer Parknähe werden zeitgemäße Wohnstrukturen in Form von multiplen Eigentumswohnobjekten errichtet. Der großzügige Raum schwindet zugunsten von kleinen pflegeleichte Gartenanteilen. Im Dezember 2006 konnte ich in sieben leer stehenden Häusern etliche hängen gebliebene Lampen abnehmen. Lampen sind zumeist die letzten Reliquien menschlicher Anwesenheit in verlassenen Gebäuden.

    
Die Zeitenwende im Zentrum Winterthurs ist Ausgangslage meines Konzeptes Lost Chandeliers – Verlorene Lüster. Drei neu zusammen gesetzte Kronleuchter beleuchten an exponierten Stellen den öffentlichen Raum Winterthurs, den Stadtgarten. Die Anbringung erfolgt an großen dicken Ästen der Bäume. Diese hybriden Kronleuchter stehen stellvertretend für das oben beschriebne Phänomen, insofern sie als Überbleibsel einer Repräsentationsära gelesen werden können. Die Häuser um diese Kronleuchter herum scheinen verschwunden zu sein, übrig bleiben die letzten Lampen imaginärer Bewohner. Meine Lüster für den öffentlichen Raum sind Reminiszenzen an diese privaten Lampen, die mal mehr, mal weniger feudal jedoch sehr identisch mit dem Ort und den jeweiligen Bewohnern sind. Kronleuchter stehen insofern für Winterthur als diese Stadt, wie oben beschrieben, im 19. Jahrhundert zu ungeahntem Reichtum kam.Die eingebaute Bewegungsunruhe der Lüster provoziert in Zufallsintervallen, ein Zappeln und Schwingen. Das entstehende Geräusch ist ungewöhnlich zwischen angenehmem Klingeln, Knirschen und Ächzen. Die Lampen beginnen mit einsetzender Dunkelheit zu leuchten.

Lüster vor Sammlung Oskar Reinhardt
Lüster vor Sammlung Oskar Reinhardt
Lüster im Garten der Villa Sträuli
Lüster im Garten der Villa Sträuli
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