Gropius spaziert

Eine reisende Installation

„ [...] nachmittags im sekretariat des bauhauses, empfing mich eine lange sekretärin – schwester von hirschfeld – und fragte mich nach meinem wunsch. ‚ich möchte den herrn direktor sprechen.’ das muss wohl etwas schüchtern geklungen haben, denn fräulein hirschfeld sagte, dass der direktor ein freundlicher und zugänglicher mann sei. ich wurde angemeldet und gleich eingelassen. mit einer verbeugung nannte ich meinen namen und erklärte, dass ich in der kantine gesessen und mich ein bekannter aufgefordert hätte, hier zu bleiben. ‚na ja’, meinte er und drückte mich in einen mordspolstersessel – eckig und gelb – ‚so ohne weiteres können sie nicht hier bleiben. da müssen sie erst einmal zeigen, was sie bis jetzt gelernt haben: also zeichnungen einschicken oder fotos mit lebenslauf. das wird der meisterrat prüfen und dann entscheiden ob ihr talent ausreicht.’ ‚was ist ‚meisterrat’?’, dachte ich im stillen, erzählte dann dass ich auf wanderschaft sei [...]“
Auszug aus Alfred Arndt (*1889 bis 1976): wie ich an das bauhaus in weimar kam in: Bauhaus und Bauhäusler. Bekenntnisse und Erinnerungen; Hg. Eckhard Neumann, 1971, Bern.

Die Installation „Gropius spaziert“ beschäftigt sich mit der Frage der Divergenz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, zwischen Plan und Ausführung, zwischen freiem Denkraum und konstituiertem Lebensraum. Ausgangspunkt ist das Werk des Architekten Walter Gropius und das Direktorenzimmer, konzipiert für die große Bauhaus-Ausstellung 1923 in Weimar. „Gropius spaziert - eine reisende Installation“ wurde an verschiedenen Orten gezeigt, die im weitesten Sinne mit der Utopie der Moderne und Gropius Wirken selbst zu tun haben. Die Projektetappen beinhalten den Umgang mit der Fragestellung nach der Re-Inszenierung eines historisch aufgeladenen Raumes in verschiedenen Kontexten. 

Nachbau des nie fertig gestellten Direktorenzimmers von 1923 im Maßstab 1:1.
Material: Spanplatte, Sperrholz, Farbe, Gouache auf Fußboden und Fensterscheibe, Lampenobjekte.

Nachbau: Uli Kubiak
Ausmessung: 5 x 5 Meter (jeweils installativ den Räumen angepasst)

Vier Videos z.T. mit dem Schauspieler Lorenz Claussen als Walter Gropius (Gropius spaziert durch die Gropiusstadt, 43 Minuten, Kamera: Miriam Visaczki, Katharina Hohmann, 2009) wurden in die Installationen integriert.

Gropius spaziert
Gropius spaziert
Gropius spaziert
Gropius spaziert
Gropius spaziert
Gropius spaziert
Gropius spaziert

1. Etappe: A trans Pavilion, Berlin, 2008

2. Etappe: Kunsthalle Harry Graf Keßler, Weimar, 2009

3. Etappe: Fagus Museum Alfeld, 2010

4. Etappe: tecta Museum Lauenförde, 2011

5. Etappe: SchauFenster, Raum für aktuelle Kunst, Berlin 2012

Die letzte Etappe – die Dekonstruktion, fand im Rahmen eines Workshops mit Schülern und Schülerinnen der Klasse 13 der nahen Freien Waldorfschule Kreuzberg statt. Die Installation wurde zerlegt und zu einem neuen Raumensemble zusammengefügt. Sie verwandelte sich so von einem Modell in der Größe 1:1 in einen realen Ort der Jetztzeit.

Das Schaufenster ist ein Projektraum in Berlin-Kreuzberg, und wurde bzw. wird vom Autor und freien Kurator, Jan Kage initiiert und geleitet.

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